Endovenöse Lasertherapie (EVLT/EVLA) bei Krampfadern
Die endovenöse Lasertherapie (EVLT/EVLA) ist eine moderne, minimal-invasive Behandlung von Krampfadern der Stammvenen (z. B. große/kleine Rosenvene), wenn im Duplex-Ultraschall ein krankhafter Rückfluss (Reflux) durch undichte Venenklappen nachgewiesen wird. Dabei wird die betroffene Vene nicht herausgezogen, sondern von innen kontrolliert verschlossen. Das Blut fließt anschließend über gesunde Venen weiter, und der verschlossene Venenabschnitt wird im Verlauf vom Körper umgebaut.
Diese Therapie ist wissenschaftlich gut etabliert: Europäische Leitlinien empfehlen bei behandlungsbedürftiger Stammveneninsuffizienz endovenöse thermische Verfahren (Laser oder Radiofrequenz) als Therapie der ersten Wahl. (ejves.com)
Wie läuft eine EVLT typischerweise ab?
Vor jeder Behandlung steht eine präzise Ultraschall-Diagnostik: Sie zeigt, wo der Reflux entsteht, welches Venenstück tatsächlich krank ist und ob zusätzlich Seitenäste behandelt werden sollten. Am Behandlungstag wird die Vene unter Ultraschall über eine kleine Punktion erreicht und die Laserfaser in den Zielabschnitt vorgeschoben. Anschließend wird eine Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA erweiterte Lokalanästhesie als „Wasserpolster“ um die Vene) eingebracht. Das ist ein Schlüsselschritt: Sie betäubt, schafft Abstand zu Haut und Nerven (Wärmeschutz) und verbessert den Kontakt zwischen Vene und Faser – für eine sichere, gleichmäßige Energieabgabe.
Während die Faser kontrolliert zurückgezogen wird, wird Laserenergie abgegeben und die Venenwand dadurch gezielt thermisch verschlossen. Je nach Befund werden sichtbare Seitenäste im selben Behandlungskonzept ergänzend behandelt (z. B. per Miniphlebektomie oder Verödung), weil die EVLT primär die Refluxquelle in der Stammvene adressiert.
Sicherheit: Welche Risiken gibt es – und wie häufig sind sie?
Wie bei jedem Eingriff können Nebenwirkungen auftreten. Nach EVLT sehen wir am häufigsten vorübergehende Reaktionen wie Druckempfindlichkeit, Verhärtungen entlang der behandelten Vene, Hämatome oder eine leichte Venenreizung. Seltener sind Gefühlsstörungen durch Nervenreizung, besonders wenn Venen sehr hautnah verlaufen. Sehr selten sind ernsthafte thrombotische Ereignisse. Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zu thrombotischen Ereignissen nach endovenöser thermischer Ablation (Laser/RFA) gibt hierfür insgesamt niedrige Raten an (je nach Definition/Studienkollektiv). Genau deshalb gehören bei uns Ultraschallführung, eine saubere Tumeszenztechnik und strukturierte Nachkontrollen zum Standard – nicht, weil Komplikationen häufig wären, sondern weil man seltene Ereignisse früh erkennen und sicher managen kann.
Was Sie als Patient:in praktisch erwarten können
Vor einer EVLT steht immer die Frage: Ist eine Stammvenenbehandlung überhaupt nötig – und wenn ja, welche Vene ist die Refluxquelle? Das klären wir per Duplex. Wenn die Indikation steht, erfolgt die Behandlung in der Regel ambulant. Durch die Tumeszenz-Lokalanästhesie ist das Verfahren sehr gut tolerierbar. Direkt nach dem Eingriff ist Bewegung erwünscht (z. B. Gehen), weil das den venösen Rückfluss unterstützt. Je nach Befund empfehlen wir für eine begrenzte Zeit Kompression und vereinbaren eine Kontrolle.
Wissenschaft & Studienlage
Die EVLT ist insgesamt sehr gut untersucht und zeigt hohe Verschlussraten sowie deutliche Verbesserungen von Symptomen und Lebensqualität. Leitlinien stützen dieses Vorgehen ausdrücklich: Die ESVS empfiehlt bei behandlungsbedürftiger Insuffizienz der großen Stammvene die endovenöse thermische Ablation als First choice. (ejves)
Ein besonders patientenrelevanter Punkt ist der postoperative Komfort. In einer multizentrischen, prospektiven randomisierten Studie verglich Hirokawa et al. 1470 nm mit radialer 2ring-Faser versus 980 nm mit Bare-Tip-Faser. Beide Gruppen erreichten nach 12 Wochen 100 % Okklusion, aber in der 1470 nm/2ring-Gruppe traten weniger Schmerzen und deutlich weniger Blutergüsse auf (Schmerz: 0 % vs. 25 %; Bruising: 7,0 % vs. 57,1 %). (PubMed) Eine weitere prospektiv randomisierte Studie (Doganci et al.) zeigte ebenfalls, dass 1470 nm mit radialer Faser im Vergleich zu 980 nm/Bare-Tip mit weniger postoperativen Beschwerden und besseren frühen klinischen Scores einherging. (PubMed)
Für die Langzeitperspektive ist die große randomisierte britische Studie („CLASS“) besonders aussagekräftig: Nach 5 Jahren war die krankheitsspezifische Lebensqualität besser nach Laserablation oder Operation als nach Schaumverödung. (New England Journal of Medicine) Das unterstützt den leitlinienkonformen Ansatz, thermische endovenöse Verfahren bei geeigneter Anatomie zu bevorzugen. (ejves.com)
Zum Thema „Long-Wavelength“-Laser >1900 nm (z. B. 1920/1940 nm) fasst eine systematische Übersichtsarbeit zusammen, dass die gepoolten Okklusionsraten sehr hoch sind (u. a. 99,2 % nach 1 Monat, 96,3 % nach 12 Monaten, 96,0 % nach 24 Monaten) bei insgesamt niedrigen Schmerz- und Komplikationsraten in den eingeschlossenen Studien. (Springer) Eine weitere Arbeit berichtet, dass EVLA mit 1940 nm und radial emittierender Faser ähnlich sicher und effektiv wie 1470 nm sein kann. (PubMed)
Wie bei jedem Eingriff sind Risiken möglich (z. B. Hämatome, Venenreizungen, selten Nervenreizungen, sehr selten thrombotische Ereignisse). Eine systematische Übersichtsarbeit zur endovenösen thermischen Ablation berichtet insgesamt niedrige Inzidenzen thrombotischer Ereignisse (DVT/PE/EHIT je nach Definition), was die Bedeutung von Ultraschallführung und strukturierten Kontrollen unterstreicht. (PubMed)
