Ästhetische Venenbehandlung: Mikrosklerotherapie von Besenreisern und kleinen Krampfadern

Viele Menschen wünschen sich glattere, „ruhigere“ Beine ohne sichtbare rote oder blaue Äderchen. In der Phlebologie spricht man bei Besenreisern von Telangiektasien (meist < 1 mm) und bei bläulichen „Netz-/Feeder-Venen“ von retikulären Venen (ca. 1–3 mm). Genau für diese Befunde gilt die Sklerotherapie – und in ihrer feinsten Form die Mikrosklerotherapie – als Standardverfahren. Die aktuellen europäischen Leitlinien beschreiben Sklerotherapie als „Goldstandard“ für retikuläre Venen und empfehlen sie als First-Choice, während sie bei reinen Besenreisern ebenfalls als sinnvolle Option genannt wird. (esvs)

Wichtig ist dabei: Auch wenn der Wunsch oft kosmetisch beginnt, sind Besenreiser nicht immer „nur oberflächlich“. Es gilt stets: vor einer ästhetischen Behandlung ist eine medizinische Abklärung sinnvoll – insbesondere, um zugrunde liegende undichte Venen (Reflux) oder „Feeder-Venen“ zu erkennen. Der Grund ist einfach: Wenn eine größere Vene im Hintergrund das Problem „füttert“, können Besenreiser nach reiner Oberflächenbehandlung schneller wiederkommen oder es bleibt unbefriedigend.

Diagnostik: Warum Ultraschall vor „Kosmetik“ kommt

Vor einer Mikrosklerotherapie steht idealerweise ein Duplex-Ultraschall, der die Beinvenen auf Klappenfunktion und Rückfluss untersucht. Die ESVS-Leitlinie empfiehlt bei retikulären Venen und/oder Telangiektasien ausdrücklich eine Duplexuntersuchung vor der Behandlung und rät, relevante assoziierte insuffiziente Venen zuerst zu therapieren. Es kann grundsätzlich zwischen eher „idiopathischen“ Besenreisern (ohne relevante tieferliegende Ursache) und „sekundären“ Besenreisern, bei denen Symptome oder Befunde eher für ein venöses Grundproblem sprechen unterschieden werden. Daher empfiehlt sich in der Praxis zunächst eine Ultraschallabklärung.

Was ist Mikrosklerotherapie – und wie funktioniert sie?

Bei der Mikrosklerotherapie wird mit sehr feinen Nadeln ein verordnungspflichtiges Verödungsmittel (Sklerosans) in die betroffenen kleinen Venen injiziert. Das Sklerosans wirkt auf die Innenauskleidung der Vene (Endothel): Es löst eine kontrollierte Reaktion aus, die dazu führt, dass die Vene verklebt/verschlossen wird und der Körper sie in den folgenden Wochen bis Monaten abbaut.  In der Praxis werden häufig sogenannte Detergenzien eingesetzt, vor allem Polidocanol (Aethoxysklerol) oder Sodium Tetradecyl Sulfate (STS); Leitlinien fassen zusammen, dass die Wirksamkeit der Sklerotherapie für C1-Befunde (Besenreiser/retikuläre Venen) gut beschrieben ist und in Studien sehr hohe Erfolgsraten berichtet wurden.

Besenreiser vs. „kleine Krampfadern“ – was lässt sich wie behandeln?

Für Besenreiser und retikuläre Venen ist typischerweise die flüssige Sklerotherapie (Mikro-Injektionen) das Standardvorgehen. Bei größeren Seitenast-Krampfadern wird dagegen häufig Schaumsklerotherapie (oft Ultraschall-gestützt) eingesetzt, weil Schaum in größeren Gefäßen effektiver wirkt und mit weniger Wirkstoffmenge auskommt. Die Schaumsklerosierung ist bei insuffizienten Seitenästen weit verbreitet, während die Flüssigsklerotherapie überwiegend für retikuläre Venen und Telangiektasien angewendet wird.
Für eine ästhetische „Gesamt-Verbesserung“ ist deshalb oft ein stufenweises Konzept sinnvoll: Erst die „größeren, relevanten“ Refluxquellen bzw. sichtbaren Seitenäste, anschließend die Feeder-Venen und zum Schluss die feinen Besenreiser.

Was kann ich an Ergebnissen realistisch erwarten?

Viele Patient:innen erreichen eine deutliche kosmetische Verbesserung, aber „perfekt porenreine“ Haut ohne jede Vene ist nicht immer realistisch – Venen sind ein normales anatomisches System. In einer Cochrane-Übersichtsarbeit (Stand 2021) verbesserten Sklerosierungsmittel Besenreiser/retikuläre Venen im Vergleich zu Scheinbehandlung klar, allerdings traten auch häufiger typische Nebenwirkungen wie Hyperpigmentierung oder Matting (neu auftretende feine Äderchen) auf.

Ganz wichtig für die Patientenerwartung: Direkt nach der Behandlung kann es vorübergehend „schlimmer“ aussehen (Rötung, kleine verhärtete Stränge, dunklere Punkte). Der Prozess braucht Zeit und oft sind 2–3 Sitzungen nötig, typischerweise mit 6–12 Wochen Abstand.

Sicherheit und Nebenwirkungen – was ist häufig, was ist selten?

Die meisten Nebenwirkungen sind mild und vorübergehend. In den ESVS-Leitlinien wird für C1-Sklerotherapie beschrieben, dass die Mehrzahl der Nebenwirkungen leicht ist; häufig genannt werden z. B. vorübergehende Hyperpigmentierung, Neovaskularisation/Matting oder kleine Narben an Injektionsstellen. Die Cochrane-Übersicht bestätigt Hyperpigmentierung und Matting als typische unerwünschte Effekte und diskutiert zudem Unterschiede zwischen Substanzen und Darreichungsform (z. B. tendenziell mehr Matting bei Schaum). (Cochrane)
Ernsthafte Komplikationen (z. B. Thrombosen) sind bei sachgerechter Indikation und Technik selten; dennoch gehört eine saubere Aufklärung dazu – inklusive möglicher Allergien, Hautulzeration bei Fehl-/Extravasation und der Bedeutung korrekter Technik.

Nachbehandlung: Brauche ich Kompressionsstrümpfe?

Die Praxis ist hier unterschiedlich – und die Datenlage ist nicht „schwarz-weiß“. Es gibt randomisierte Studien, die zeigen, dass Kompression nach Sklerotherapie die objektiv beurteilte „Gefäß-Verschwindung“ verbessern kann. In einer randomisierten Studie trug eine Gruppe nach flüssiger Sklerotherapie von Telangiektasien/retikulären Venen 3 Wochen Kompressionsstrümpfe, was die klinische Gefäßrückbildung in der Fotoauswertung signifikant verbesserte. (ScienceDirect)
Gleichzeitig wird Kompression nicht in jedem Setting zwingend benötigt; viele Behandler passen die Empfehlung individuell an (Venenkaliber, Hauttyp, Neigung zu Pigmentierung, Umfang der Behandlung). Entscheidend ist, dass du einen klaren Nachsorgeplan bekommst (Bewegung, Wärme/UV-Hinweise, ggf. Kontrolle, und was in den ersten Wochen „normal“ ist).


Bildmaterial Kreussler-Pharma