Endovenöse Radiofrequenztherapie (RFA) bei Krampfadern
Die endovenöse Radiofrequenztherapie (RFA) ist ein modernes, minimal-invasives Verfahren zur Behandlung von Krampfadern der Stammvenen (z. B. der großen oder kleinen Rosenvene), wenn im Duplex-Ultraschall ein krankhafter Rückfluss (Reflux) nachgewiesen wurde. Ziel ist, die erkrankte Vene von innen kontrolliert zu verschließen, sodass das Blut anschließend über gesunde Venenbahnen abfließt. Internationale Leitlinien bewerten endovenöse thermische Verfahren (RFA und Laser/EVLT) bei geeigneter Indikation häufig als Therapie der ersten Wahl. (ejves.com)
Vor jeder Behandlung steht eine sorgfältige Ultraschall-Diagnostik. Dabei wird nicht nur die „sichtbare“ Krampfader betrachtet, sondern vor allem die Funktion der tiefer liegenden Venenklappen und der genaue Verlauf der Stammvene. Das ist wichtig, weil Seitenast-Krampfadern häufig eine Folge der Stammveneninsuffizienz sind. Erst auf Basis dieses Befundes lässt sich seriös entscheiden, ob eine endovenöse Therapie sinnvoll ist – und welche Vene(n) behandelt werden sollten. (NCBI)
Die RFA selbst erfolgt über einen sehr kleinen Zugang (Punktion). Unter Ultraschall wird ein dünner Katheter in die Vene eingeführt und im Zielbereich positioniert. Anschließend wird entlang der Vene eine Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA) eingebracht. Das ist eine verdünnte Betäubungslösung, die die Behandlung angenehm macht und gleichzeitig ein wichtiges Sicherheitsprinzip erfüllt: Sie bildet ein „Flüssigkeitspolster“ um die Vene, schützt umliegendes Gewebe vor Wärme und sorgt für einen guten Kontakt zwischen Katheter und Venenwand. In europäischen Empfehlungen wird die ultraschallgeführte Tumeszenzanästhesie als Standardbestandteil endovenöser thermischer Verfahren ausdrücklich hervorgehoben. (esvs)
Während der Behandlung wird die Vene segmentweise erwärmt. Viele moderne Systeme sind so konzipiert, dass die Energieabgabe sehr standardisiert abläuft. Beispielhaft beschreibt der Hersteller Venclose™ der Fa. BD für sein EVSRF-System einen automatischen Behandlungszyklus von 20 Sekunden; der Katheter kann dabei zwischen einer 10-cm- und einer 2,5-cm-Heizlänge umgeschaltet werden (je nach anatomischer Situation), und es wird ein 6F-Katheterprofil (entspricht einem Durchmesser von 2 mm) angegeben. (Venclose) Solche technischen Eigenschaften sollen v. a. eine gleichmäßige, reproduzierbare Energieabgabe und einen effizienten Ablauf unterstützen; entscheidend für ein gutes Ergebnis bleiben immer die richtige Indikationsstellung, die Ultraschallführung und die Erfahrung des Behandlerteams.
Wie gut wirkt RFA? Insgesamt ist die Datenlage zur Radiofrequenzablation umfangreich. Leitlinien stützen die Methode unter anderem auf randomisierte Studien und systematische Übersichten und empfehlen endovenöse thermische Ablation bei behandlungsbedürftiger Stammveneninsuffizienz häufig als bevorzugte Option. (ejves.com) In randomisierten Vergleichen mit Laser zeigte RFA in einer bekannten Studie zudem geringere Schmerzen, weniger Blutergüsse und weniger Druckschmerz in den ersten Tagen und Wochen nach dem Eingriff, bei sehr guter Wirksamkeit in beiden Gruppen. (PubMed) Ergänzend gibt es auch systembezogene Daten: Eine prospektive Single-Center-Studie zum Venclose-RFA-System berichtete nach 12 Monaten eine sehr hohe Okklusionsrate der behandelten Stammvenen; die Studie ist klein und nicht randomisiert, ergänzt aber die allgemeine Evidenz zur Methode. (pulsus.com)
Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen: Wie bei jeder Behandlung können Nebenwirkungen auftreten. Häufig sind vorübergehende Druckempfindlichkeit, Verhärtungen entlang des behandelten Venenverlaufs oder Blutergüsse. Selten sind thrombotische Ereignisse wie endovenös hitzebedingte Thromboseausdehnung (EHIT) oder eine tiefe Venenthrombose. Eine große systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse (mit Duplexkontrolle innerhalb von 30 Tagen) beschrieb insgesamt niedrige Raten: EHIT etwa 1–2 %, echte tiefe Venenthrombose etwa 0,3 % und Lungenembolie etwa 0,1 % (über viele Studien hinweg). (PubMed) Herstellerunterlagen weisen außerdem auf typische, wenn auch seltene Risiken hin und betonen die Bedeutung von Sicherheitsabständen und standardisiertem Vorgehen. (Venclose)
Nach dem Eingriff ist frühe Mobilisation in der Regel erwünscht. Ob und wie lange eine Kompression sinnvoll ist, hängt von Befund, Begleitbehandlungen und individuellen Faktoren ab; das wird im Aufklärungsgespräch festgelegt. Kontrolltermine – häufig inklusive Ultraschall – dienen der Qualitätssicherung und geben Patientinnen und Patienten zusätzliche Sicherheit.
Wissenschaftliche Quellen (Auswahl)
- ESVS Leitlinie 2022: Endovenöse thermische Ablation als „First choice“ bei behandlungsbedürftiger Stammveneninsuffizienz. (ejves.com)
- NICE Guideline CG168: Bei bestätigtem Stammvenenreflux endothermale Ablation anbieten (RFA/EVLT). (NCBI)
- Almeida et al., 2009 (RCT): RFA (ClosureFast) vs. EVLT – weniger Schmerz/Bluterguss/Druckschmerz in der frühen Phase nach RFA. (PubMed)
- Healy et al., 2018 (Systematic Review/Meta-analysis): Niedrige Raten thrombotischer Ereignisse (EHIT/DVT/PE) nach endovenöser thermischer Ablation. (PubMed)
- Prospektive Venclose-Studie (2023, Single-Center): Hohe 12-Monats-Okklusionsrate nach RFA mit Venclose-System (klein, explorativ). (pulsus.com)
- Herstellerangaben BD/Venclose (IFU/Manual/Produktinfo): 20-Sekunden-Zyklus, Katheter mit 10 cm/2,5 cm Heizlänge, 6F-Profil (systemabhängig). (Venclose)
Häufige Fragen zur Radiofrequenztherapie (RFA) bei Krampfadern
Tut die Behandlung weh?
Die meisten Patientinnen und Patienten empfinden den Eingriff als gut tolerierbar. In der Regel wird eine ultraschallgeführte Tumeszenz-Lokalanästhesie eingesetzt, die die Behandlung schmerzarmer macht und gleichzeitig das umliegende Gewebe vor Wärme schützt.
Wie lange dauert der Eingriff?
Das hängt davon ab, wie viele Venenabschnitte behandelt werden und ob zusätzliche Maßnahmen sinnvoll sind. Die Energieabgabe erfolgt segmentweise in kurzen Zyklen; viele Systeme arbeiten dabei mit standardisierten, automatisierten Behandlungszyklen.
Welche Betäubung wird verwendet?
Standard ist die ultraschallgeführte Tumeszenzanästhesie. Je nach Umfang des Eingriffs und individuellen Faktoren kann zusätzlich eine Sedierung oder – in geeigneten Settings – eine Allgemeinanästhesie erwogen werden.
Wann darf ich wieder laufen und mich bewegen?
In der Regel ist frühe Mobilisation ausdrücklich erwünscht (z. B. Spaziergänge). Das unterstützt den venösen Rückfluss und ist meist Teil des Nachsorgekonzepts.
Wann kann ich wieder arbeiten?
Das ist individuell und hängt u. a. von Ihrem Beruf, der behandelten Strecke und möglichen Zusatzbehandlungen ab. Viele sind rasch wieder alltagstauglich; bei körperlich schwerer Arbeit kann eine etwas längere Schon- bzw. Anpassungszeit sinnvoll sein.
Wann kann ich wieder Sport machen?
Leichte Bewegung ist häufig früh möglich. Intensiver Sport (z. B. Krafttraining, längere Läufe) wird je nach Befund und Eingriff üblicherweise erst nach kurzer Aufbauphase empfohlen. Den passenden Zeitpunkt besprechen wir individuell.
Muss ich Kompressionsstrümpfe tragen?
Ob und wie lange Kompression sinnvoll ist, hängt von Befund, Technik und möglichen Begleitbehandlungen ab. Wir empfehlen Kompression daher individuell und zeitlich abgestimmt.
Wie erfolgreich ist RFA langfristig?
Langzeitdaten zeigen hohe Verschlussraten und eine anhaltende Verbesserung klinischer Beschwerden über mehrere Jahre. Endovenöse thermische Verfahren gelten bei geeigneter Indikation als gut untersuchte Standardtherapie.
Ist RFA besser als Laser (EVLT)?
RFA und EVLT gelten insgesamt als ähnlich wirksam. In Studien zeigte RFA in der frühen Phase teils weniger Schmerzen und weniger Blutergüsse/Druckschmerz gegenüber bestimmten Laser-Verfahren.
Welche Risiken gibt es?
Häufig sind vorübergehende Blutergüsse, Druckempfindlichkeit oder eine oberflächliche Venenreizung. Selten können thrombotische Ereignisse (z. B. EHIT oder tiefe Venenthrombose) auftreten. Wir klären individuell auf und minimieren Risiken durch Ultraschallführung, Tumeszenztechnik und strukturierte Kontrollen.
Können Krampfadern wiederkommen?
Ja, das ist möglich – z. B. durch Fortschreiten der Bindegewebsschwäche, neue Seitenäste oder Rezidive. Eine sorgfältige Duplexdiagnostik und Verlaufskontrollen helfen, frühzeitig zu reagieren.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Das hängt von Befund, medizinischer Indikation und Ihrem Versicherungsstatus ab. Wir informieren Sie nach Ultraschallbefund transparent und erstellen auf Wunsch eine Kostenübersicht.



