Schaumsklerosierung (Ultraschall-geführte Schaum-Sklerotherapie, UGFS)

Die Schaumsklerosierung ist ein minimal-invasives Verfahren, bei dem ein Verödungsmittel (meist Polidocanol) mit Luft zu einem feinen Schaum aufgeschäumt und anschließend in die erkrankte Vene injiziert wird. Der Schaum verdrängt das Blut in der Vene, kommt dadurch besonders gut mit der Venenwand in Kontakt und löst eine kontrollierte Reaktion der Innenwand aus. In der Folge verschließt sich das Gefäß und wird in den Wochen bis Monaten vom Körper schrittweise umgebaut. Europäische Sklerotherapie-Leitlinien beschreiben Technik, Indikationen und typische Nebenwirkungen ausführlich und sehen Polidocanol/STS als die in Europa am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe. (aethoxysklerol-international.com)

In der modernen Phlebologie wird Schaum vor allem eingesetzt, wenn Seitenast-Krampfadern, rezidivierende (wiederkehrende) Varizen oder tortuous (stark geschlängelte) Venen behandelt werden sollen – also Situationen, in denen Katheterverfahren technisch schwieriger sein können. Die ESVS-Leitlinie 2022 betont ausdrücklich, dass Schaumsklerosierung besonders geeignet ist, wenn das Vorschieben eines Ablationskatheters schwierig ist, und dass sie für tortuous Rezidiv-Varizen gut passt. Gleichzeitig wird sie auch bei Stammvenen eingesetzt – allerdings differenziert: Für eine behandlungsbedürftige Stammvene kann Ultraschall-geführte Schaumsklerosierung in ausgewählten Fällen erwogen werden, z. B. wenn der Durchmesser kleiner ist (in der ESVS-Leitlinie wird hierfür u. a. ein Grenzwert < 6 mm genannt). In Großbritannien empfiehlt NICE bei nachgewiesenem Stammvenenreflux zunächst endothermale Verfahren (Laser/RFA) und nennt UGFS als Alternative, wenn endothermale Ablation nicht geeignet ist. (NCBI)

Für Patient:innen ist wichtig zu wissen, wie die Behandlung praktisch abläuft: Vor einer Schaumsklerosierung steht idealerweise die Duplex-Ultraschalldiagnostik, damit klar ist, welche Vene die Ursache des Rückflusses ist und ob zuerst eine andere (größere) Refluxquelle behandelt werden sollte. Die eigentliche Injektion erfolgt bei UGFS unter Ultraschallkontrolle, damit der Arzt/die Ärztin die Ausbreitung des Schaums in Echtzeit sehen und die Behandlung sicher steuern kann – und genau das wird auch als klare Empfehlung in der ESVS-Leitlinie formuliert (Schaumbehandlung soll unter Ultraschall erfolgen). Der Schaum wird häufig nach der sogenannten Tessari-Methode mit zwei Spritzen und einem Dreiwegehahn hergestellt; in Studien wurden dabei typische Mischungsverhältnisse (z. B. 1:4 Flüssigkeit:Luft) verwendet. (ejves.com) Je nach Befund sind mehrere Sitzungen möglich oder sinnvoll, und häufig werden Verfahren kombiniert (z. B. Stammvenentherapie plus Seitenast-Schaumsklerosierung).

Was kann man hinsichtlich Wirksamkeit und Ergebnis erwarten? Insgesamt ist UGFS eine wirksame, flexible Methode – besonders für Seitenäste und Rezidive. Bei Stammvenen ist die Datenlage so zu interpretieren, wie es Leitlinien tun: Endovenöse thermische Verfahren erzielen im Durchschnitt sehr robuste Langzeitergebnisse und werden daher oft bevorzugt; UGFS ist eine wertvolle Alternative in passenden Situationen oder wenn thermische Verfahren nicht geeignet sind. (NCBI)

Zu Nebenwirkungen und Risiken: Häufig sind vorübergehende Reaktionen wie Druckgefühl, lokale Entzündung/„Venenreizungen“, kleine Verhärtungen oder Hautverfärbungen (Hyperpigmentierung). Die ESVS-Leitlinie nennt als typische Häufigkeiten u. a. transiente Hyperpigmentierung (ca. 10–15%), telangiektatisches Matting (< 10%) und oberflächliche Venenthrombose/SVT (ca. 5,9–13,7%); außerdem werden neurologische Beschwerden wie vorübergehende Sehstörungen oder Kopfschmerzen als selten (< 1%) beschrieben. Sehr schwere Ereignisse wie TIA/Schlaganfall sind laut Leitlinie auf Einzelfälle begrenzt. Wichtig ist auch der Hinweis aus der ESVS-Leitlinie: Ein symptomatischer Rechts-Links-Shunt gilt als absolute Kontraindikation für Schaumsklerotherapie; ein häufiges offenes Foramen ovale müsse jedoch nicht routinemäßig gesucht werden.

Nach der Behandlung wird meist frühe Mobilisation empfohlen (Gehen), weil dies den venösen Rückfluss unterstützt. Ob und wie lange Kompression sinnvoll ist, hängt vom behandelten Venenkaliber, der Technik und dem individuellen Risiko (z. B. Pigmentneigung) ab; zu Kompression nach Schaumtherapie gibt es randomisierte Studien, und Leitlinien führen entsprechende Evidenzquellen auf – in der Praxis wird die Empfehlung häufig individuell zugeschnitten.

Bildmaterial Kreussler-Pharma